Neustädter Tagung 2011:

 

63. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes

Archäologische Prospektion und Regionen zwischen Spessart, Lorsch und Taunus lieferten die Themen der Vorträge und Exkursionen

 

Die Jahrestagung 2011 des Breuberg-Bundes vom 23. bis 25. September. war wie in den Vorjahren dreigeteilt: Vorträge in der Breuberghalle in Neustadt, eine Kurzexkursion sowie die Ganztagesfahrt. Die Kurzexkursion führte zum historischen Brennpunkt Kloster Lorsch, die Ganztagesfahrt hatte den Hessenpark und das Römerkastell Saalburg zum Ziel.

 

Nach Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Oberstudienrat i. R. Winfried Wackerfuß am Nachmittag des 23. September  begann der Vortragsteil mit seinen sechs Referaten, davon je drei am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag:

 

Claus Bergmann vom Hessischen Landesamt für archäologische Denkmalpflege, Wiesbaden sprach zum Thema „Vom Luftbild über das Bodenradar zum Laserscanning - Neue Methoden bei der Prospektion archäologischer Denkmäler im Gelände. Aufgezeigt an Beispielen aus Südhessen“. Während die Luftbildarchäologie hauptsächlich Unterschiede im Pflanzenwachstum nutzt, um im Boden verborgene Strukturen zu entdecken, werden bei den geophysikalischen Methoden Radarwellen, Elektrizität und Magnetismus eingesetzt bzw. genutzt, um für den Menschen nicht wahrnehmbare Unterschiede im Erdreich sichtbar zu machen. Erst seit wenigen Jahren wird das so genannte Airborne-Laserscanning in der Archäologie genutzt. Dabei werden von einem Flugzeug Laserstrahlen auf den Boden gesendet, die ein äußerst exaktes Bild der Oberfläche - auch durch Bewaldung hindurch - liefern.

 

Das nächste Referat von Dr. Gerrit Himmelsbach, Aschaffenburg, Projektleiter ASP/Institut an der Universität Würzburg behandelte „Wirtschaftsgeschichte in einer „Einöde“ - Die Entdeckung der Kulturlandschaft Spessart“. Wald - Räuber - Schloss Mespelbrunn sind z. Z. bekannte Klischees vom Spessart. Während der Odenwald von den Römern zivilisiert wurde, lebten die Germanen auf der anderen Mainseite in bescheidenen Verhältnissen. Der Odenwald glänzt in karolingischer Zeit mit dem Kloster Lorsch und der Steinbacher Einhardsbasilika - der Spessart verharrt als menschenleerer Königsforst. Mit diesen klischeehaften Gegensätzen räumte der Vortrag auf. Zentrale Gesichtspunkte der 8.000 Jahre alten Kuturlandschaft sind heute: Neolithische Revolution - Rohstoffreservoir - mittelalterliche und frühneuzeitliche Wohlstandsregion durch Glasherstellung - Opfer des Merkantilismus und der Industrialisierung.

 

Bernd Fischer, Buchen behandelte „Wie der Kellermeister der Benediktinerabtei Amorbach zu wirtschaften hatte - Die Kellermeisterordnung des Klosters Amorbach von 1597 - Inhalt und Besonderheiten“. Gegenstand des Referats waren die Anweisungen des Abtes, welche dieser 1597 in einer sog. Kellermeisterordnung dem Wirtschafts- und Finanzverwalter des Klosters gab. Schwerpunkte der Ordnung bilden die Vorbereitungen sowie die „Einkaufszettel“ zu den Fahrten auf die Frankfurter Messen, die Erhebung der Klostergefälle, die Entlohnung der Klosterbediensteten, der Tagelöhner und der Fronarbeiter auf dem klösterlichen Wirtschaftshöfen sowie die Vorbereitungen zur Erhebung der Marktzölle in der Stadt Amorbach.

 

Der Archäologe Harald Rosmanitz M. A., Partenstein referierte zum Thema „Erst Burg, dann Kirche. Die archäologische Untersuchung des Gotthardsbergs“. Seit nunmehr sieben Jahren untersucht das Archäologische Spessartprojekt im Rahmen von Forschungsgrabungen eine Vielzahl von Burgen im Spessart und im Odenwald. 2010/11 stand die Erforschung des Gotthardsbergs - zwischen Amorbach und Weilbach gelegen - im Fokus der archäologischen Aktivitäten. Im Gegensatz zu anderen Anlagen war die Anhöhe bereits seit der Merowingerzeit bis zu ihrer vollständigen Niederlegung im Jahre 1525 kontinuierlich besiedelt. Die Geschichte reicht von einer Burganlage bis zur der Errichtung eines Nonnenkloster im „Schatten“ des politisch einflussreichen Klosters Amorbach. Die Entwicklung auf dem Gotthardsberg am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts bestimmte die Territorialpolitik der Herren von Dürn. Erstmals wird dabei deutlich, wie stark die hochmittelalterliche Kulturlandschaft des Mudtals von dem Dreiklang der Burg auf dem Gotthardsberg, dem Templerhaus (Amorbach) und der nahen Wildenburg bestimmt wurde.

 

Ltd. Archivdirektor i. R. Prof. Dr. Friedrich Battenberg, Darmstadt sprach über „Hessen im Rheinbund - Die napoleonischen Jahre 1806 bis 1815“. Der Vortrag vermittelte einige Gedanken zur napoleonischen Zeit im südlichen Hessen und im Odenwald. Der kurz vor Ende des Heiligen Römischen Reichs gegründete und dann dieses für wenige Jahre ablösende Rheinbund wurde in der älteren Forschung eher negativ bewertet wurde - nämlich als Instrument der Besatzungspolitik Napoleons. In der neueren Geschichtsschreibung beginnt sich eine vollkommen neue Bewertung durchzusetzen. Mit dem Rheinbund wurde nämlich der Versuch gemacht, die überlebten Strukturen des Alten Reiches durch neue, lebensfähigere zu ersetzen. Die Reform von Verwaltung und Justiz, die Bauernbefreiung, die Einführung religiöser Toleranz bis hin zur Emanzipation der Juden etwa waren Projekte, die in der Rheinbundzeit zumindest begonnen wurden. Der Vortrag zeigte auf, dass zwischen 1806 und 1814 eine wichtige Zeit der Transformation der traditionellen Adelsgesellschaft in eine sich langsam entwickelnde bürgerlich-liberale Gesellschaft war.

 

Der Kunsthistoriker Dr. Benno Lehmann, Mannheim hatte sein Thema betitelt: „Leben und Werk des Malers Heinrich Kopp (Reinheim i. Odenwald 1869 - 1922 Halle/Saale)“. Heinrich Kopp, der 1869 in Reinheim geboren wurde und 1922 in Halle starb, ist nur wenigen Kunstkennern bekannt. Eine intensive Auseinandersetzung erfuhr er jedoch erstmalig mit der Präsentation von Dr. Lehmann. Der Maler Kopp erhielt in Karlsruhe und München eine breite und fundierte Ausbildung. Er war ein Vertreter des malerischen Realismus und bevorzugte bei seinen Darstellungen unprätentiöse und anheimelnde Bildausschnitte. Sein Werk gliedert sich in verschiedene Bildgattungen, z. B. Wand- und Portraitmalerei sowie Architektur- und Landschaftsmalerei, die er jeweils in unterschiedlichen Maltechniken ausführte. Im Laufe seines Lebens besuchte er von Halle aus mehrmals seine Geburtsstadt Reinheim und schuf dort einige bewerkenswerte Werke.

 

Zum Abschluss seines Referates übergab Dr. Lehmann dem ersten Stadtrat von Reinheim, Karlheinz Flatten, als Geschenk für das dortige Museum ein Gemälde von Heinrich Kopp.

 

Dr. Lehmann (Mitte) überreicht das Gemälde „Landschaftsausschnitt Weidenhain mit Gewässer“ von H. Kopp aus dem Jahr 1907 an den ersten Stadtrat von Reinheim, Karlheinz Flatten (links), rechts W. Wackerfuß

 

Die Kurzexkursion am Nachmittag des 24. September hatte das Kloster Lorsch zum Ziel, wo unter Führung von Dr. Hermann Schefers, dem Leiter des Museumszentrums, die Teilnehmer eine Einführung in Historie des Klosters und den Bau der „Königshalle“ erhielten. Danach wurde das Obergeschoss der Halle im Detail unter seiner fachkundigen Erläuterung besichtigt. Dem schloss sich der Besuch der derzeit im Museumszentrum laufenden Ausstellung „Kloster Lorsch - Vom Reichskloster Karls des Großen zum Weltkulturerbe der Menschheit“ an.

 

Die Ganztagesfahrt am 25. September ging in den Taunus und zu zwei Orten: dem Hessenpark bei Neu-Anspach und dem Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg. Die Saalburg wurde unter sachkundiger Führung in zwei Bereichen („intra muros“ und „extra muros“) besichtigt. Der innere Bereich führte u. a. zu Mannschaftsstube, Fahnenheiligtum, Speisezimmer, während der äußere Bereich u. a. die Besichtigung von Schanzen- und Limesrekonstruktion, Kastellbad und Mithrasheiligtum beinhaltete.

 

Neustädter Tagung 2010:

62. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes

Landesgeschichte im Internet und regionale Themen zwischen Burg Frankenstein und Würzburg bestimmten die Agenda

 

Die diesjährige Jahrestagung des Breuberg-Bundes vom 24. bis 26. September war mit einer Teilnehmerzahl von über 100, darunter auch weit angereisten Teilnehmern, z. B. aus Oldenburg, Kleve und dem Bodenseeraum, sehr gut besucht.

 

Nach Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Oberstudienrat i. R. Winfried Wackerfuß, referierte Prof. Dr. Otto Volk vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg zum Thema „Landesgeschichte im Internet – Einführung in die digitalen Informationsangebote“. Er vermittelte den Zuhörern anhand vieler Beispiele die heute bisweilen schon unverzichtbare Rolle des Internet für die geschichtliche Arbeit. Prof. Volk zeigte auf, welche Angebote und Recherchewege – über die Nutzung allgemeiner Suchmaschinen hinaus – bereits heute zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt des praxisnahen Referats lag dabei auf den Möglichkeiten der Literaturrecherche, der Suche in den Angeboten der Archive und der Nutzung regionaler Portale. Er ging dabei vor allem auf das Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS), aber auch auf benachbarte Regionalportale ein.

 

„Lindenfels im Odenwald – Die Burg Graf Bertholds des Jüngeren von Hohenberg – Vorstellung der jüngsten Grabungsergebnisse“ lautete das Referat von Dr. Holger Göldner vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Darmstadt. Er berichtete, dass im Jahr 2004 im Torbereich von Burg Lindenfels Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden mussten. Bei zwei Mauerblöcken an der Ringmauer war Aussehen und Funktion unklar. Gleiches galt für ein im Rahmen der Restaurierung angeschnittenes Fundament  im inneren Zwinger. Außerdem gab es damals Überlegungen, die scharfkurvige Einfahrt in die Burg neu zu gestalten. In vier Wochen haben dann Archäologen der Archäologischen Denkmalpflege versucht, diesen Fragenkatalog abzuarbeiten.

 

Restaurator Hans Michael Hangleiter, Lengfeld sprach zum Thema „Die Kapelle Arnheiden bei Rai-Breitenbach: Bauanalyse – Erhaltung und Präsentationskonzept“. Ausgehend von den bisherigen geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Arbeiten der letzten Jahrzehnte ging der Referent auf die jüngeren Untersuchungsergebnisse sowohl von Prof. Untermann und Team als auch seiner Firma im Detail ein. Es wurden durch die Bauanalyse u. a. drei Hauptbauphasen (Romanik, Gotik, nachfolgende Wohnbaunutzung) sichtbar. Eine exakte Datierung des Baues ist bis heute nicht erfolgt, nur aufgrund des Baustils wird ein Zeitraum vom 7. bis 10. Jahrhundert angenommen. Jetzt soll jedoch mit der OSL(Optisch stimulierte Lumineszenz)-Methode eine Datierung der ältesten Bauteile erfolgen. Gotische Baumerkmale sind nach einem Brand der Kapelle im Spätmittelalter durch einen Wiederaufbau eingebracht worden, darauf lassen z. B. hitzebeschädigte Steinoberflächen sowie gebrannter Lehm in den lehmgemörtelten Mauerfugen schließen. Auch dieses Branddatum soll noch bestimmt werden. Die Nutzung als Wohn- und Landwirtschaftsbau mit ihren Ein- und Umbauten wurde ebenfalls dargestellt. Dem Präsentationskonzept der zukünftigen inneren Erscheinungsform der Kapelle galt eine abschließende Diskussion.

 

„Regionalbewusstsein ohne Grenzen? Zur Wahrnehmung eines geographischen Großraums auf Johann Tobias Sonntags „Prospect von dem Meliboco und dessen Gegend“ (1747)“ lautete das Referat von Archivrat Dr. Rouven Pons, Wiesbaden. Im Jahr 1747 hatte sich der Darmstädter Landgraf Ludwig VIII. ein großformatiges Panoramagemälde für sein Marktpalais anfertigen lassen. Der Maler Johann Tobias Sonntag schuf ein detailliertes Bild der Gegend zwischen Mannheim im Süden und dem Vordertaunus im Norden, das als einzigartiges Zeugnis für die Region der Bergstraße und des hessischen Rieds gelten kann.

Im Vortrag analysierte der Referent nicht nur die künstlerische Bedeutung des heute im Depot des Darmstädter Schlossmuseums aufbewahrten Gemäldes, sondern ging darüber hinaus der Frage nach, welches regionale Verständnis dem Gemälde zugrunde liegt. Denn es zeigt einen Großraum, der die damaligen territorialen Grenzen hinter sich lässt. Den Hintergrund dieses grenzüberschreitenden Regionalbewusstseins zu ergründen, war Kern des Vortrags.

 

Prof. Dr. Hans Ramge, Gießen widmete seinen Vortrag den „Odenwälder Familiennamen in Raum und Zeit“. Für den eigenen Familiennamen und seine Bedeutung interessiert sich fast jeder Mensch. Für die Deutung muss man die geschichtliche Überlieferung und die heutige räumliche Verbreitung des Familiennamens heranziehen. Vielfach konzentriert sich die Verbreitung eines Familiennamens auf einen landschaftlichen Raum. Untersucht man die heutige Verbreitung zahlreicher Familiennamen, so schälen sich deutlich erkennbare Familiennamenräume in Hessen heraus.

 

Ein markanter hessischer Familiennamenraum in diesem Sinne ist der südhessische Raum, wobei die im Odenwald häufigen Namen eine besondere Rolle spielen. Viele bekannte Familiennamen wie Dingeldein, aber auch Namen wie Arras, Poth, Olt, Schnellbacher / Schnellbücher, Ramge sind hier beheimatet. An den heutigen Verbreitungen kann man noch deutlich die Tendenzen der Wanderbewegungen aus dem Odenwald heraus erkennen, aber auch die geschichtlichen sozialen Umschichtungsprozesse in der Zu- und Abwanderung. Eine Reihe von Namen wurde in dem Vortrag erklärt und durch Verbreitungsbilder veranschaulicht.

 

Der Vortrag von Dr. Rüdiger Lenz, Leiter des Stadtarchivs Eberbach behandelte „Territorialpolitik und Burgenbau der Grafen von Lauffen am unteren Neckar“.

 

Sein Thema betraf die “Vorläufergeschichte“ des (späteren) kurpfälzischen Raums im Hochmittelalter. Das hochadlige, mit den salischen Königen in verwandtschaftlichen Beziehungen stehende Geschlecht der Grafen von Lauffen prägte etwa 200 Jahre lang von 1011 bis 1208 die Geschicke der Landschaft am unteren Neckar, im angrenzenden Odenwald und im Kraichgau. Auch und vor allem als Vögte des Bistums Worms waren sie berühmt und mächtig. Die  Bedeutung des Geschlechts ist bisher nur wenig erforscht, auch wegen der dünnen urkundlichen Überlieferung. Im Vortrag wurden die „Politik“, die personellen Verflechtungen, die Typen des Burgenbaus und die Lauffener Herrschaftszentren vorgestellt wie etwa die Kernbesitzungen Hornberg, Eberbach, Kühberg und Dilsberg. Daneben erläuterte der Referent Begriffe der hochmittelalterlichen Verfassungsstrukturen, wie etwa Grafentitel, Territorialherrschaft, Grundherrschaft, Immunität. Der Vortrag endete mit einem kurzen überleitenden Blick in die frühe Stauferzeit.

 

Die Kurzexkursion am Nachmittag des 25.9. hatte die Burg Frankenstein bei Darmstadt-Eberstadt zum Ziel, wo den Teilnehmern durch Dipl.-Ing. Michael Müller eine Führung in und um die Anlage gegeben wurde. Die Ganztagesfahrt am abschließenden Sonntag (26.9.) führte nach Würzburg. Einem Rundgang am Vormittag unter fachmännischer Führung durch die Altstadt u. a. mit den Schwerpunkten Alte Mainbrücke, Grafeneckart (Altes Rathaus), Marienkapelle, Neumünster mit Lusamgärtlein und dem Dom St. Kilian folgte nachmittags die Besichtigung der weltberühmten Residenz mit ihren Gemälden und den Prunkräumen.

 

 

Tagungsteilnehmer vor dem Gedenkstein für den Minnesänger Walther von der Vogelweide im Lusamgärtlein beim Neumünster in Würzburg. Er hat vermutlich hier im Kreuzgang um 1230 seine letzte Ruhestätte gefunden.

 

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Neustädter Tagung 2009:

Breuberg-Bund veranstaltete 61. Neustädter Tagung:

Von Römern, Chroniken, exiliertem König, verschwundenen Dörfern, einem Odenwaldmaler und bis Ladenburg/Schwetzingen spannten sich die Themen

 

Die Herbsttagung 2009 des Breuberg-Bundes vom 25. bis 27. September war wie in den Vorjahren mit Referaten, Besichtigungen und Exkursion gut besetzt. Während die beiden ersten Halbtage den Referaten gewidmet waren, folgte am Samstagnachmittag die Kurzexkursion zum Schloss Lichtenberg. Dort wurde zu Burg und Schloss durch den ersten Vorsitzenden W. Wackerfuß informiert, der auch im Museum durch die Jubiläumsausstellung Odenwaldmaler Prof. J. Lippmann, die Abteilung „Odenwälder Gäulchen“ sowie weitere Exponatbereiche führte. Die Ganztagesfahrt der Mitglieder am Sonntag ging an zwei Orte: nach Ladenburg mit seiner römischen Vergangenheit und den mittelalterlichen Bauwerken und nach Schwetzingen, wo Schloss und Park mit Badhaus und Moschee besichtigt wurden.

 

Die sechs Referate der Tagung hatten ein breites Themenspektrum:

 

Prof. Dr. E. Schallmayer sprach über „Der Odenwaldlimes - Neue Überlegungen zu Geschichte, Chronologie und Streckenverlauf sowie zu einzelnen Anlagen der römischen Grenze im Odenwald“ und stellte dar, dass seit seiner letzten Zusammenstellung der Forschungen zum Odenwaldlimes vor 25 Jahren neue Erkenntnisse vorliegen. Diese erforderten eine Überprüfung der bisherigen Aussagen zu Anfangs- und Enddatum dieser Limesstrecke, ihren Anlagen und ihrem Verlauf. Das Aussehen einiger Wachturmstellen wurde zusätzlich bekannt, Bauten am Limes sowie in seinem Umfeld konnten gedeutet sowie Strukturen von Kastelldörfern erforscht werden.

 

„Geschichte in Bildern - Wigand Gerstenberg von Frankenberg (1457 - 1522) und seine illustrierten Chroniken von Thüringen und Hessen“ lautete der Titel des Referats von Frau Prof. Dr. U. Braasch-Schwersmann. Sie führte aus, dass die heutigen Länder Thüringen und Hessen nur wenige Berichte aus dem Mittelalter besitzen, weshalb die „Landeschronik von Thüringen und Hessen“ sowie die „Stadtchronik von Frankenberg“ des Wigand Gerstenberg - beide entstanden Ende des 15. Jahrhunderts - zu den bedeutendsten Kulturgütern gehören. Beide Chroniken sind reich illustriert und liefern Einblicke in materielle Details, die vielfältigen damaligen Lebensumstände sowie auf legendenumwobene und reale Personen.

 

Über den portugiesischen Prinzen, Regenten und König (1828-1834) Dom Miguel I. sprach Prof. Dr. H. Castritius in „'Der arme König' - Dom Miguel I. von Portugal im Exil in der Mainregion“. Dessen abenteuerliches Leben in Portugal, Brasilien, Österreich, Italien und schließlich in der Mainregion (Langenselbold, Kleinheubach und Kloster Bronnbach) wurde vorgestellt und seine Beziehungen zur Mainregion dargelegt. Eine Heirat mit einer Prinzessin Löwenstein und ein Leben in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen in Kloster Bronnbach ließen ihn zum „armen König“ werden. Verstorben 1866 wurde seine sterbliche Hülle erst 1967 von seiner ersten Ruhestätte, dem Kloster Engelberg, nach Lissabon zur Grablege der portugiesischen Könige überführt.

 

„Die verschiedenen frühen Beschreibungen des 1543 entdeckten Römerbades 'am Fuße des Breubergs' - Die Chroniken von Dehner (1654) und Widman (1550)“ waren das Thema von G. Wassum. Er stellte - ausgehend von den bekannten und viel zitierten Berichten über den Fund in S. Studions Handschrift von 1597 und der Planzeichnung im Codex Papenbroeckii von 1604 - die bisher unbeachteten Chroniken von Dehner und Widman vor. Insbesondere die des Erlacher Pfarrers Georg Widman aus dem Jahr 1550 über Schwäbisch Hall beinhaltet einen zeitnahen Bericht, der jetzt als früheste Quelle für die Fundgeschichte angesehen werden muss. Widman war nämlich 1543 zur Begutachtung der römischen Relikte eingeschaltet worden. Am Schluss des Referats wurden zwei mögliche Fundstellen des heute verschollenen Römerbades dargestellt.

 

M. Hahl widmete seinen Vortrag „Ferdinandsdorf, Galmbach, Rineck - Verschwundene Dörfer im südlichen Odenwald“ der Geschichte dreier Wüstungen, entstanden in der Zeit um und nach 1800. Damals wurden aus gesellschaftlichen, naturräumlichen und klimatischen Gründen Dörfer aufgegeben, Umsiedlungen vollzogen und sogar die Auswanderung nach Amerika zum Zweck des Überlebens erwogen und durchgeführt. Der gigantische Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 hatte z. B. gewaltige Mengen Feinstaub in die Atmosphäre gebracht, sodass es 1816 zum „Jahr ohne Sommer“ auch im Odenwald kam. Daraus resultierten Ernte- und Fruchtausfälle, was sich besonders in den ärmsten Dörfern katastrophal auswirkte.

 

Eine gute Einführung für den Besuch der Jubiläumsausstellung am Samstagnachmittag im Schloss Lichtenberg lieferte das Referat „Der Odenwaldmaler und Büchnerpreisträger Prof. Johannes Lippmann (1858 - 1935) - Leben und Werk“ von Frau Dr. J. Reisinger-Weber. Vita und exemplarische Werke wurden vorgestellt, auch seine Vorbilder Courbet, Millet und von Menzel mit seinen Schöpfungen verglichen und verknüpft. Seine Arbeitsweise, seine Einstellung zu Natur und Leben wurden ebenso von der Referentin an vielen Beispielen verdeutlicht, die dann in der Ausstellung real zu sehen waren.

 

Park und Schloss Schwetzingen: Unter sachkundiger Führung erhielten Mitglieder des Breuberg-Bundes einen umfassenden Einblick in Baugeschichte und Anlagen

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Neustädter Tagung 2008:

Um Odenwald, Spessart und Rheingau kreisten die Themen

Die diesjährige Veranstaltung vom 26. bis 28. September war die 60. ihrer Art am Gründungsort des Breuberg-Bundes und bot wie immer Mitgliedern, Freunden und regionalhistorisch Interessierten Vorträge und Referate sowie Exkursion und Ganztagesfahrt.

Nach der Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Oberstudienrat i. R. Winfried Wackerfuß ging dieser in einem Rückblick auf die 60 Jahre Neustädter Tagungen ein und konnte eine erfolgreiche Bilanz zu allen Veranstaltungen vorlegen.  

Einen gewissen Schwerpunkt der Vorträge in diesem Jahr bildeten die von Graf Franz I. von Erbach-Erbach angelegten Sammlungen in Schloss Erbach mit zwei Referaten am ersten Tag, wozu am Samstag noch ein Vortrag über die frühe Geschichte des Hauses Erbach kam.

Die Referate der Tagung waren im Einzelnen: 

„Franz I. und der Rittersaal im Erbacher Schloss“ von Dr. Wolfgang Glüber, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, der den um 1806 - 07 geschaffenen Rittersaal mit seiner europaweit berühmten neugotischen Innenarchitektur und die darin befindliche Sammlung vorstellte. Mittelalterliche Waffen, Rüstungen und Glasgemälde sowie Memorabilien zur Geschichte der gräflichen Familie sind im Rittersaal aufgestellt. Graf Franz hatte als einer der frühen Wiederentdecker des Mittelalters bereits 1783 mit dem Sammeln der Waffen und Rüstungen begonnen und damit eine kleine kunsthistorische Sensation geschaffen.

 „Zwischen Ahnenkult und Altertumskunde“ lautete das Referat von Prof. Dr. Wolfgang Liebenwein von der TU Darmstadt. Er behandelte die Einhardskapelle im Erbacher Schloss, die sich in einem umgebauten Raum des Torhauses befindet und bei den allgemeinen Schlossführungen meist ausgespart bleibt. Graf Franz I. richtete sie ab 1805 ein und ließ aus der ehemaligen Klosterkirche von Steinbach Grabsteine seiner Vorfahren dorthin bringen und an den Wänden aufstellen. Auch der 1810 vom Hessischen Großherzog geschenkte Einhard-Sarkophag aus Seligenstadt wurde hier aufgestellt.

 Der Vortrag von Michael Hahl M.A. „Vermächtnis der Erdgeschichte – Profil einer Region“ behandelte die Zeugnisse der Erdgeschichte, die dem Odenwald sein Gesicht verleihen. Die im Buntsandstein konservierten Flussablagerungen wurden beschrieben, ebenso die dynamischen Gebirgsbildungsprozesse für den Granit im Kristallinen Odenwald. Geologisch junge Landschaftsformen wie der vulkanische Katzenbuckel und die Entstehung des Neckartals mit seinen Schluchten wurden auch dargestellt. Alle diese Zeugnisse der Erdgeschichte sind für uns heute noch sicht- und erlebbar und bilden den UNESCO Geo-Naturpark Bergstrasse-Odenwald und im Süden den Naturpark Neckartal-Odenwald.

 Über die „Die Zinsbücher der Herrschaft Breuberg“ referierte Oberstudienrat i. R. Winfried Wackerfuß, der in den Mittelpunkt seiner Ausführungen das älteste vollständige Zinsbuch von 1426 stellte, das 1966 erst gefunden worden war. Gült- bzw. Zinsbücher bildeten die Grundlagen für die Erfassung aller Einkünfte und Rechte der Herrschaft gegenüber den Steuer- und Abgabepflichtigen, d. h. den Untertanen. Im Zinsbuch sind Geldeinnahmen, Naturaleinkünfte und Dienstleistungen verzeichnet und diese den jeweiligen breubergischen Untertanen zugeordnet. Dieses Verzeichnis der Leibeigenen ist mit über 2000 Familiennamen aus der Zeit um 1426 eine erstklassige Quelle für Familienforscher. Das Zinsbuch ist im Verlag des Breuberg-Bundes als Buch erschienen.

 Der dritte Vortrag zum Schwerpunktsthema Grafschaft Erbach stammte von Dr. Uli Steiger und war betitelt „>> Dit sint die fursten graven herren und frien ...<< Die Herren von Erbach und ihr Aufstieg zur Reichsstandschaft 1422“. Grundlage des Referats bildete Steigers Dissertation von 2005 und der Titel seines Referats beginnt mit dem Zitat auf der Anwesenheitsliste vom königlichen Tag in Koblenz 1414, wo zwei Schenken von Erbach erschienen waren. Eine moderne Hausgeschichte der Schenken von Erbach vom Zeitpunkt ihrer Erstnennung im Lorscher Codex (1165/70) bis zur Erlangung der Reichstandschaft 1422 wurde vorgestellt, wobei auch sozial-, mentalitäts-, wirtschafts- und kirchengeschichtliche Aspekte im damaligen politischen Beziehungssystem betrachtet wurden.

 „Die Odenwaldlandschaft im Werk des Malers Wilhelm Trübner (1851-1917)“ stellte der Kunsthistoriker Dr. Benno Lehmann vor. Trübner, der in Heidelberg geboren war, hatte sich erst nach 1898 schwerpunktmäßig der Landschaftsmalerei zugewandt. Von Frankfurt aus hat er dann über mehrere Jahre den Odenwald bereist und dabei sich u. a. in Amorbach, Lichtenberg, im Mausbachtal sowie ab 1904 wiederholt im Schloss Hemsbach aufgehalten, wovon eine ganze Reihe von Gemälden zeugen. Trübner kombinierte Natur und Architektur in seinen Bildern, Personen und Tiere hat er nicht dargestellt.

 Die diesjährige Kurzexkursion führte am 27. 9. nachmittags unter der Leitung von Wolfgang Hartmann in den benachbarten Südwestspessart zur Burg Wildenstein, nach Sommerau und zum Schloss Oberaulenbach.

Die Ganztagesfahrt in den Rheingau hatte am 28. 9. folgende Ziele: das Kloster Eberbach - die ehemalige Zisterzienserabtei mit ihrem Ensemble romanischer und frühgotischer Bauten -, die gotische Wallfahrtskirche in Kiedrich sowie die Altstadt von Eltville mit einem Stadtrundgang und der Besichtigung der Pfarrkirche St. Peter und Paul sowie der ehemaligen Burg der Mainzer Erzbischöfe. Ihren Ausklang fand die Fahrt mit ihren fachkundigen Führungen durch Oberarchivrat i. R. Dr. Hartmut Heinemann auf Schloss Johannisberg beim Blick in die uralte Kulturlandschaft am Rhein.    

 

Dr. Heinemann bei der Führung im Kloster Eberbach

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Neustädter Tagung 2007:

Regionalgeschichtliche Vorträge und Exkursionen in den Bachgau und nach Marburg bestimmten die 59. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes

Im Jubiläumsjahr 2007 - das 60 Jahre Breuberg-Bund bedeutet - standen bei der 59. Neustädter Tagung vom 21. bis 23. September ein breit gefächertes Spektrum an Vorträgen sowie die etablierten Programmpunkte Kurzexkursion und Ganztagesfahrt auf der Agenda.

Nach Eröffnungs- und Begrüßungsworten durch den 1. Vorsitzenden Herrn Winfried Wackerfuß berichtete er in einem Rückblick über die vergangenen 60 Jahre seit der Gründung der Vereinigung am 18. Oktober 1947 im Rittersaal der Burg Breuberg.

Von der Erwachsenenbildung in den Anfangsjahren bis zu den heutigen Schwerpunktthemen in Geschichte, Volkskunde und Kunsthistorie reichte damals das Interessengebiet. Heute besitzt der Breuberg-Bund etwas über 1040 Mitglieder, veröffentlicht seit 1953 jährlich 4 Ausgaben seiner Zeitschrift „Der Odenwald“ und dazu seit 1972 bisher 7 Bände der „Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften“ sowie weitere Monografien und Quelleneditionen. Neben der wissenschaftlichen Erforschung der Region betätigen sich Arbeitsgruppen u. a. für das Breuberg-Museum und die Arnheider Kapelle.

Die Referate der Tagung im Einzelnen:

„Neue Forschungen am Odenwaldlimes: Die Ausgrabungen am Kastellvicus in Schloßau im Neckar-Odenwald-Kreis (2003-2007)“ stellte die Grabungsleiterin Dr. Britta Rabold vor. Sie gab einen umfassenden Einblick in die ergrabene und analysierte Ausstattung und Infrastruktur eines Kastelldorfes am Odenwaldlimes. Zum Kleinkastell von Schloßau gehörte dieses in Dorf mit seinen Häusern in Fachwerkbauweise, das auch ein Gewerbegebiet mit Töpfereien besaß und trotz der Vorverlegung des Limes um ca. 150 n. Chr. weiter besiedelt blieb.

„Wasser für die Burg Breuberg“ lautete das Thema von Dr.-Ing. Axel Gleue, der schon im Vorjahr über die Wasserversorgung von Höhenburgen berichtet hatte. Diesmal hatte er sich des Breubergs speziell angenommen und die verschiedenen seit dem 12. Jahrhundert realisierten Methoden der Wasserversorgung im Detail dargestellt. Es waren dies die Transportesel, Zisternen, die Leitungen, der noch existierende Tiefbrunnen sowie die zerstörte „Wasserkunst“, eine gepumpte Versorgung vom Breitenbachtal her.

„…in Grundriß gebracht durch Joseph Mantel“ - Eine Forstkarte aus dem Jahre 1800 vom Miltenberger Mitmarkswald“ stellte Dr. Alf Dieterle vor, die ein Zeugnis ist für den Druck, den Miltenberg bei der Teilung des mit den umliegenden Orten einst gemeinsamen Waldes auf diese Nachbarn ausübte. Dem mainzerischen Landmesser Mantel war die Aufgabe der Aufteilung und Kartierung übertragen worden, und er hat Karten hinterlassen, die neben Naturszenen auch älteste Ansichten vieler Orte im Maintal und Odenwald zeigen.

„Friedrich Karl von Moser - Ein politischer Beamter des 18. Jahrhunderts in habsburgischen und hessen-darmstädtischen Diensten“ war das Thema von Dr. Klaus Kremb, der Mosers Lebensspanne von 1723 bis 1798 in den Zeiten des Absolutismus behandelte. Moser begann seine Laufbahn als hessen-homburgischer Kanzleisekretär, war Reichshofrat in Wien zur Zeit Maria Theresias und Josephs II. und schließlich - nach einigen anderen Verwendungen - Minister in Darmstadt. Seine dortige Rolle ab 1770 als „politischer Reformer“, die ihm nicht nur Freunde schuf, betraf Konsolidierung des Staatshaushalts und Strukturpolitik für Wirtschaft, Verwaltung und Bildung.

Die diesjährige Kurzexkursion am 22. 9. führte in den Bachgau nach Großostheim. Durch den Ortskern sowie das Bachgau-Museum führte Ewald Lang, der die wichtigsten Bauten und Plätze vorstellte und danach den Museumskomplex, seine Räume und Exponate. In den 17 Abteilungen des Museums wurden Funde aus der Vor- und Frühgeschichte des Bachgaus bis hin zu Zeugnissen von oftmals ausgestorbenen landwirtschaftlichen und handwerklichen Tätigkeiten gezeigt und erläutert.

 

Die Ganztagesfahrt am Sonntag hatte Marburg zum Ziel, zum einen die Altstadt mit der Elisabethkirche und zum anderen das Landgrafenschloss mit der Ausstellung des Landes Hessen anlässlich des 800. Geburtstages der Heiligen Elisabeth.


Die Führung der Tagungsteilnehmer an der Ganztagesfahrt durch die Altstadt von Marburg hatte die Direktorin des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde Frau Prof. Dr. U. Braasch-Schwersmann übernommen, hier vor dem Alten Rathaus von Marburg.

Im Landgrafenschloss begann, geführt von Dr. Rainer Atzbach, die Besichtigung der wesentlichen Teile des Bauwerks einschließlich der durch Grabungen freigelegten unterirdischen Fundamente und Mauerteile der frühen Vorgängerburgen. Das im Schloss befindliche Universitätsmuseum für Kulturgeschichte bot ausgewählte Exponate zur Vor- und Frühgeschichte Hessens, zu religiöser Kunst und bürgerlichem Leben. Der Besuch der Ausstellung „Elisabeth in Marburg – Der Dienst am Kranken“ war der abschließende Programmpunkt im Landgrafenschloss.

Die Altstadt von Marburg zwischen Schloss und Elisabethkirche bildete den zweiten Teil der Exkursion, der von Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann auf dem Rundgang mit Einführung und Detailerläuterungen begleitet wurde. Vom Alten Rathaus über markante Gebäude, Strassen und Plätze sowie die mittelalterliche Synagoge führte der Weg zum Deutschordensbezirk mit der Elisabethkirche. Dort erhielten die Teilnehmer eine vertiefte Führung zu allen drei Funktionen der Kirche: Grabstätte der Heiligen Elisabeth, Ordenskirche der Deutschritter und Grablege der Hessischen Landgrafen.

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Neustädter Tagung 2006:

58. Neustädter Tagung des Breuberg - Bundes widmete sich Themen des Odenwaldes und der Landschaft zwischen Kraich- und Pfinzgau

Mitglieder und Freunde der regionalhistorischen Vereinigung des Breuberg-Bundes trafen sich vom 22. bis 24. September in Neustadt zu der jährlichen Herbsttagung, deren Programm wie immer Referate, Besichtigungen und Exkursionen umfasste.

Nach Eröffnungs- und Begrüßungsworten ging der 1. Vorsitzende Winfried Wackerfuß in seinem Eingangsreferat auf das derzeit aufwändigste Publikationsprojekt des Breuberg-Bundes ein, den 2. Registerband zu der seit 53 Jahren erscheinenden Vierteljahreszeitschrift „Der Odenwald“. Dieser Band schließt nahtlos an den 1985 erschienenen 1. Registerband für die ersten 30 Jahrgänge an und enthält neben Personen- und Ortsregister für die Jahrgänge 31 – 50 auch ein Sach- und Stichwortregister für alle bisherigen Ausgaben von 1953 an. Damit wird dieser Band zu einer Art Lexikon für Geschichte, Volkskunde, Kunstgeschichte und Geografie des gesamten Odenwaldraumes. Der Registerband wird in den nächsten Tagen in Druck gehen.

Die weiteren Referate des ersten Tages:

Ausgrabungen an der Arnheider Kapelle bei Breuberg-Rai-Breitenbach. Zum aktuellen Forschungsstand berichtete die Mannheimer Archäologin Michaela Jansen. Die Arnheider Kapelle, die seit 1950 unter der Schirmherrschaft des Breuberg-Bundes steht, wird seit 2002 wieder baugeschichtlich untersucht. Im Mai wurde für die geplante Sanierung das Fundament an fünf Stellen freigelegt und die Stratigraphie archäologisch dokumentiert. Sowohl die baugeschichtliche als auch die archäologische Untersuchung sprechen für einen Bau der Kapelle zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert. Dem Bauwerk  kommt somit unter den höchst selten erhaltenen Kirchen des frühen Mittelalters ein besonderer Rang zu.

Das Verhältnis zwischen Kurmainz und Kurpfalz unter Erzbischof Dietrich von Erbach (1434 - 1459) war das Thema von Dr. Wolfgang Voss. Erzbischof Dietrich war als regierender Kurfürst in Mainz in verschiedene nachbarschaftliche Rivalitäten mit den Herrschern in Heidelberg (Kurpfalz) einbezogen, die sich um die Dominanz in der gesamten Region drehten. Während der Amtszeit Dietrichs herrschten in Heidelberg nacheinander: Pfalzgraf Ludwig III., der 1435 zunächst von seinem Bruder Otto, 1442 und 1449 dann von seinen Söhnen Ludwig IV. bzw. Friedrich ersetzt wurde. Nur gegenüber Otto hatte sich Erzbischof Dietrich kurzfristig als der Stärkere zeigen können. Der allmähliche Niedergang der politischen Bedeutung von Kurmainz hatte begonnen.

 Die Referate und die Kurzexkursion des Samstagprogramms:

Kreisarchäologe Dr. Peter Prüssing, Dieburg referierte über Mittelalterliche und frühneuzeitliche Ofenkacheln aus Dieburg. Er berichtete über entsprechende Funde aus dem einst überregional bedeutenden Töpfereizentrum Dieburg. Auch vor dem Hintergrund der tausendjährigen Geschichte des Kachelofens wurde die Produktpalette sowie die Absatzmärkte der Dieburger Töpfer beleuchtet. Durch die heute wieder wachsende Wertschätzung von Kachelöfen kommt dem Thema Ofenkeramik eine neue Bedeutung zu.

Zur Wasserversorgung von Höhenburgen und Bergvesten sprach Dr.-Ing. Axel Gleue und untermauerte seine Ausführungen detailliert mit seinen 2005 und 2006 durchgeführten Videoprospektionen im Brunnenschacht auf dem Otzberg. Um Wasserbedarf, Wassergewinnung und Versorgung ging es im allgemeinen Teil des Referats, es folgten Informationen über weitere Brunnen, auch zu denen auf dem Breuberg, Dilsberg und Reichenberg. Die Untersuchungen auf dem Otzberg lieferten neue Erkenntnisse über den Bau und das Alter dieses Brunnens, auch erstmals zu den die Besonderheiten der Gründung im Basaltgestein.

Dr. Benno Lehmann, Kunsthistoriker aus Heidelberg, hatte als Thema: Das Gorxheimer und das Birkenauer Tal in der Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts. Beide Täler nahe Weinheim an der Bergstrasse gelegen, waren bereits im erwähnten Zeitraum bei Heidelberger und Darmstädter Malern populär. Die „romantisch-patriotische“ Bewegung ließ die Künstler auf ihren „Malerreisen“ die Herrlichkeit der Heimat neu entdecken: Historische Bauten, Burgen und Ruinen, die im Einklang mit Natur und Landschaft standen. Ein weiterer Grund war die damalige Reiseliteratur, die Abbildungsmaterial benötigte. Der Referent belegte seine Erläuterungen mit einer Vielzahl von Bildern, u. a. von Schilbach, Kunz, Grimm und Fries.

Die Kurzexkursion nach Kirch-Brombach und Rehbach hatte als Schwerpunkte die dortigen Kirchen. Thomas Steinmetz führte und erläuterte vor Ort deren Geschichte, Gebäude und Kunstgegenstände.

Die Ganztagesfahrt am Sonntag ging in das Land am Stromberg, die Kulturlandschaft zwischen Kraich- und Pfinzgau. Unter der Führung von Dr. Hermann Diruf startete die Rundfahrt auf dem Turmberg oberhalb von Durlach. Der Pfleghof des Klosters Herrenalb in Oberderdingen, das gotische Steinhaus aus dem 15. Jahrhundert in Knittlingen, die Waldensersiedlungen Klein-Villars und Schönenberg sowie die Wehrkirche von Lienzingen  waren die folgenden Ziele. Die Themenführung im Kloster Maulbronn, seit 1993 Weltkulturerbe, bildete danach den Höhepunkt der Tagesfahrt. 

Brunnenhaus des Klosters Maulbronn
Vor dem weltbekannten Brunnenhaus des Klosters Maulbronn erläutert Dr. Diruf Details zur Geschichte des Baus und seiner Gestaltung

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Neustädter Tagung 2005:

Vorträge, Kurzexkursionen und Ganztagesfahrt bestimmten die 57. Neustädter Tagung des Breuberg - Bundes

Vom 23. bis 25. September 2005 war die Breuberghalle in Breuberg-Neustadt wieder Tagungsort und Treffpunkt von Mitgliedern und Freunden des Breuberg-Bundes zu seiner jährlichen Herbsttagung.

Nach der Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Winfried Wackerfuß begann die Tagung mit den Referaten und Diskussionen, für die der Freitagnachmittag sowie der Samstagvormittag zur Verfügung standen.

Die diesjährige Kurzexkursion war zweigeteilt: Am Samstagnachmittag trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der evangelischen Kirche in Mümling-Grumbach, um zu Gewerbe- und Industriegeschichte, zu Friedhof und Kirche sowie dem in der Kirche befindlichen Matronenstein Bewährtes und Neues zu hören. Ihre Fortsetzung fand die Kurzexkursion bei der römischen villa rustica „Haselburg“ auf der Hummetrother Höhe, wo eine noch größere Teilnehmerschar sich eingefunden hatte, sodass sie in zwei Gruppen aufgeteilt werden musste. Dort erhielten die Anwesenden nach einer allgemeinen Einführung in Lage, Bau, Zweck und Betrieb des ehemaligen römischen Landgutes auch spezielle Einblicke in die verschiedenen ausgegrabenen und konservierten Bauten und die dabei gemachten Funde.

Besichtigung der villa rustica
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kurzexkursion
im Rahmen der 57. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes
bei der Besichtigung der villa rustica „Haselburg“

Die Ganztagesfahrt am Sonntag in die Nordpfalz stand unter dem Motto „Das Land am Donnersberg“ und galt den Themen Kelten, Königszwist und Altes Reich sowie frühe Eisenindustrie. In der Person von Oberstudiendirektor Dr. Klaus Kremb aus Winnweiler hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen vorzüglichen Reiseführer.

Die fünf Referate der ersten Halbtage behandelten folgende Themen:

„Kelten-Römer-Germanen in der Übergangszeit (1.Jh. vor – 1.Jh. nach Chr.)“; Referent war Prof. Dr. E. Schallmayer, der die Epoche „zwischen Ariovist und Vespasian“ anhand des neuesten Forschungsstandes in Hessen eindrucksvoll beschrieb.

„Das Ende des 2. Weltkriegs am unteren Neckar“; Referent  Dr. R. Lenz gab eine Darstellung der letzten Kriegswochen im Odenwald und am unteren Neckar und die Situation an der so genannten Sehnenstellung zwischen Eberbach und Miltenberg.  „Vom Main zur Burg Trifels, vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom – Auf hochmittelalterlichen Spuren des fränkischen Adelsgeschlechts der Reginbodonen“; Referent  W. Hartmann stellte seine langjährigen Forschungen zu dem Geschlecht der Reginbodonen - die er als Ahnherren der Grafen von Wertheim und Gelnhausen identifiziert - und ihre Spuren in verschiedenen deutschen Landschaften vor.

„Gedächtnis der Herrschaft – Das Archiv der Schenken von Erbach“; Referent war U. Steiger, der die Anfänge des Archivs aus der Entstehung einer Erbachischen Verwaltung und der damit verbundenen Schriftlichkeit ableitete. 

„August Becker (1821-1887) - Ein Darmstädter Landschaftsmaler aus der Düsseldorfer Schule“; Referent  Dr. R. Selke gab einen detaillierten Einblick in das Leben und Werk dieses Darmstädter Landschaftsmalers, dem die Region um Darmstadt, die Bergstrasse und der Odenwald die ersten Stätten für sein Schaffen boten.

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Neustädter Tagung 2004:

Geschichte, Kultur und Brauchtum
Breuberg-Bund veranstaltete seine 56. Neustädter Tagung

Die Breuberghalle in Breuberg-Neustadt war vom 24. bis 26. September 2004 wieder Tagungsort und Treffpunkt von Mitgliedern und Freunden des Breuberg-Bundes, der größten regional-historischen Vereinigung im Odenwald.

Wie bereits in den Vorjahren bewährt, wechselten sich nach der Begrüßung durch den ersten Vorsitzenden Winfried Wackerfuß Referate, Besichtigungen und Exkursionen ab, wobei für die Referate und Diskussionen der Freitagnachmittag sowie der Samstagvormittag zur Verfügung standen. Am Nachmittag fand die Kurzexkursion nach Habitzheim zum Löwensteinischen Hofgut statt. Der Sonntag stand voll im Zeichen der Ganztagesfahrt „Abseits der Heerstraße“ zwischen Wertheim und Würzburg.

Die sechs Referate der ersten Halbtage umfassten zeitlich die Spanne von der Römerzeit bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts, räumlich den inneren Odenwald, das hessische Ried, die Bergstraße sowie das Neckartal. Inhaltlich ging es um:  den sozialen Aufstieg der Schenken von Erbach im 13. Jahrhundert (Referent: Dr. S. Scholz), Holzäpfeltanz und Bannweidgericht in Dossenheim (Referent: Dr. W. Seidenspinner), das Necrolog-Anniversar/Totenbuch des Klosters Lorsch (Referentin: M. Schmatz), das Geschäftsbuch des Spielzeugdrehers Beilstein zu Niedernhausen (Referentin: R. Beck), neue Forschungsergebnisse zur Römerzeit in Starkenburg (Referent: Dr. H. Göldner) sowie Neckartal und Bergstraße in den malerischen Darstellungen der Graimbergs (Referent: Dr. B. Lehmann).

Die Kurzexkursion nach Habitzheim hatte das Thema „Burg – Amtmannsitz – Hofgut“, mit Informationen und Besichtigungen zu Historie und Gegenwart der Lokalität. Der Hausherr Dr. Felix Prinz zu Löwenstein begrüßte und berichtete - unterstützt von W. Wackerfuß - in launigem und lebendigem Vortrag über seine Familiengeschichte, die ja sehr eng mit dem Gebiet der ehemaligen Gemeinherrschaft Breuberg (Wertheim/ Erbach) verbunden ist. Die baulichen Anlagen und die heutige Organisation und Arbeitswelt des Hofguts waren weitere Punkte seiner Erläuterungen. 

Hofgut Habitzheim

Hausherr Dr. F. Prinz zu Löwenstein (links) und W. Wackerfuß
mit den Teilnehmern im Hofgut Habitzheim

Die Ganztagesfahrt in die Region zwischen Wertheim und Würzburg mit den Zielorten Dertingen, Homburg, Holzkirchen und Urphar schloss die Tagung ab. Auf dem Programm stand der Besuch der zwei Wehrkirchen in Dertingen und Urphar, die Homburger Burg mit der nahen St. Burkhardusgrotte, die alte Homburger Papiermühle, heute ein Museum, sowie das ehemalige Benediktinerkloster in Holzkirchen. Dort konnte neben der Balthasar-Neumann-Kirche auch der restliche renovierte und erweiterte Baukomplex des Klosters besichtigt werden.

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