NEUSTADT. In
die Geschichte der Staatskunde steigt der Breubergbund mit der
neuesten Ausgabe seiner Vierteljahresschrift ,,Der Odenwald"
ein. Seinem Ruf als Institution einer lebendigen und allgemein
verständlichen Regionalforschung wird der Verein dabei gerecht,
indem er das Thema an einem persönlichen Bezug aus seinem
Einzugsgebiet festmacht: dem Schaffen und Leben des
Hessen-Darmstädtischen Ministers Friedrich Carl von Moser
(1722-1798). Damit unterstreicht der Breubergbund zugleich seine
inhaltliche Ausrichtung auf ganz Südhessen.
Anders als der
Name zu besagen scheint, handelt es sich beim Breuberg-Bund
nämlich keineswegs um eine lokale Gruppe. Vielmehr vereint er
Regionalforscher
aus dem
Großraum Darmstadt/Aschaffenburg/Heidelberg unter der
Bezeichnung seines Amts- und Gründungssitzes, der Burg
Breuberg oberhalb von Neustadt.
Wie für
diesen Verbund Öffentlichkeitsarbeiter Gerald Wassum mitteilt,
ist das Heft 2/2010 des Quartalsblatts ,,Der Odenwald" in diesen
Tagen
erschienen. ,,Weil
jede Reform Missvergnügte machen muss - Das
modernisierungspolitische Dilemma des Hessen-Darmstädtischen
Ministers Friedrich Carl von Moser (1722-1798)" hat dabei das
Format einer echten Titelgeschichte.
Veröffentlicht wird damit eine Arbeit des Winnweiler Historikers
und Oberstudiendirektors Klaus Kremb über die Reformen des
Staatsrechtlers von Moser. Carl von Moser,
der in Jena
Staatswissenschaften studiert hatte, war nach
einem sehr erfolgreichen Karrierebeginn am Hof
in Wien 1770 zum Administrator der habsburgischen Exklave
Falkenstein in der Pfalz mit dem Sitz in Winnweiler berufen
worden. Danach führte er von 1772 bis 1780 als Leitender
Minister die Regierungsgeschäfte der Landgrafschaft
Hessen-Darmstadt, wo es vor allem um die Sanierung des
hochverschuldeten Staatshaushaltes ging.
Ein Ergebnis
seiner modernisierungspolitischen Maßnahmen in Südhessen war
eine statistischen Landesaufnahme mit Angaben zur Verwaltung,
Wirtschaft und Gesellschaft der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
im Jahre 1774, bekannt geworden als ,,Mosersche Generaltabelle".
Beim Breubergbund ist sie als Faksimile abgedruckt und gibt für
alle Ämter beispielsweise detaillierte Angaben zu Bevölkerung
und Tierbestand.
In das
Steinachtal im südlichen Odenwald führt der folgende Beitrag von
Heiner Simon: ,,Spuren des kurpfälzischen reformierten
Geschlechts Weisbrod in der ehemaligen kurpfälzischen Kellerei
Waldeck zu Heiligkreuzsteinach". Ausgehend von zwei alten
Grabplatten von 1564 und 1770 für Angehörige der
Familie
Weisbrod auf dem alten evangelisch-reformierten Friedhof und an
der alten Kirche von Heiligkreuzsteinach, werden hier die Lebenslinien und das Schicksal der beiden
hier ruhenden Familienmitglieder nachgezeichnet und auf die
Verbreitung dieser pfälzischen Familie eingegangen.
Von dem
berühmten Frankfurter Landschaftsmaler
Christian Georg
Schütz dem Älteren (1718-1791) stammt die von Werner Trost
beschriebene Ansicht ,,Mainlandschaft mit Miltenberg und Kloster Engelberg". Dass Schütz diese reizvolle Partie
am bayrischen Untermain gemalt hat, dürfte damit zusammenhängen,
dass seine zweite Frau Maria B. J. Kittner aus Miltenberg
stammte.
Weitere Beiträge sind: Friedrich K. Azzola ,,Die Waage als
Kaufmannszeichen am Haus Turmstraße 1 in Beerfelden, 1810";
Richard Wagner ,,Jagdwagen von Landgraf Ludwig VIII. von
Hessen-Darmstadt" und Wilhelm Stuckert ,,Eine ungewöhnliche
Katasterurkunde aus der Registratur des Amtes Lichtenberg -
Schiefertäfelchen belegt Erbauseinandersetzung des Jahres 1768."
,,Der
Fund von ,,menschlichen Gebeinen" im Bereich der Burg
oder des ,,Schlosses" Mörlenbach im Weschnitztal im Jahre 1888",
wie der abschließende Lesefund von W. Wackerfuß überschrieben
ist, scheint damals ein gewisses Aufsehen erregt zu haben,
erschien diese Nachricht doch 1888 im ,,Amtlichen Kreisblatt für
den Kreis Dieburg."
gg
Bezugsquelle
Diese neueste Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift ,,Der
Odenwald" umfasst 44 Seiten und enthält
insgesamt 23
Abbildungen, davon acht
in Farbe. Sie ist für
5 Euro über die Geschäftsstelle des Breuberg-Bundes,
Ernst-Ludwig-Straße 2-4, 64 747 Breuberg,
oder den Buchhandel zu beziehen. Als Kontaktstelle pflegt der
Verein zudem das Internet: www.breuberg-bund.de.