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63. Neustädter Tagung des Breuberg-Bundes

Archäologische Prospektion und Regionen zwischen Spessart, Lorsch und Taunus lieferten die Themen der Vorträge und Exkursionen

 

Die Jahrestagung 2011 des Breuberg-Bundes vom 23. bis 25. September. war wie in den Vorjahren dreigeteilt: Vorträge in der Breuberghalle in Neustadt, eine Kurzexkursion sowie die Ganztagesfahrt. Die Kurzexkursion führte zum historischen Brennpunkt Kloster Lorsch, die Ganztagesfahrt hatte den Hessenpark und das Römerkastell Saalburg zum Ziel.

 

Nach Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Oberstudienrat i. R. Winfried Wackerfuß am Nachmittag des 23. September  begann der Vortragsteil mit seinen sechs Referaten, davon je drei am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag:

 

Claus Bergmann vom Hessischen Landesamt für archäologische Denkmalpflege, Wiesbaden sprach zum Thema „Vom Luftbild über das Bodenradar zum Laserscanning - Neue Methoden bei der Prospektion archäologischer Denkmäler im Gelände. Aufgezeigt an Beispielen aus Südhessen“. Während die Luftbildarchäologie hauptsächlich Unterschiede im Pflanzenwachstum nutzt, um im Boden verborgene Strukturen zu entdecken, werden bei den geophysikalischen Methoden Radarwellen, Elektrizität und Magnetismus eingesetzt bzw. genutzt, um für den Menschen nicht wahrnehmbare Unterschiede im Erdreich sichtbar zu machen. Erst seit wenigen Jahren wird das so genannte Airborne-Laserscanning in der Archäologie genutzt. Dabei werden von einem Flugzeug Laserstrahlen auf den Boden gesendet, die ein äußerst exaktes Bild der Oberfläche - auch durch Bewaldung hindurch - liefern.

 

Das nächste Referat von Dr. Gerrit Himmelsbach, Aschaffenburg, Projektleiter ASP/Institut an der Universität Würzburg behandelte „Wirtschaftsgeschichte in einer „Einöde“ - Die Entdeckung der Kulturlandschaft Spessart“. Wald - Räuber - Schloss Mespelbrunn sind z. Z. bekannte Klischees vom Spessart. Während der Odenwald von den Römern zivilisiert wurde, lebten die Germanen auf der anderen Mainseite in bescheidenen Verhältnissen. Der Odenwald glänzt in karolingischer Zeit mit dem Kloster Lorsch und der Steinbacher Einhardsbasilika - der Spessart verharrt als menschenleerer Königsforst. Mit diesen klischeehaften Gegensätzen räumte der Vortrag auf. Zentrale Gesichtspunkte der 8.000 Jahre alten Kuturlandschaft sind heute: Neolithische Revolution - Rohstoffreservoir - mittelalterliche und frühneuzeitliche Wohlstandsregion durch Glasherstellung - Opfer des Merkantilismus und der Industrialisierung.

 

Bernd Fischer, Buchen behandelte „Wie der Kellermeister der Benediktinerabtei Amorbach zu wirtschaften hatte - Die Kellermeisterordnung des Klosters Amorbach von 1597 - Inhalt und Besonderheiten“. Gegenstand des Referats waren die Anweisungen des Abtes, welche dieser 1597 in einer sog. Kellermeisterordnung dem Wirtschafts- und Finanzverwalter des Klosters gab. Schwerpunkte der Ordnung bilden die Vorbereitungen sowie die „Einkaufszettel“ zu den Fahrten auf die Frankfurter Messen, die Erhebung der Klostergefälle, die Entlohnung der Klosterbediensteten, der Tagelöhner und der Fronarbeiter auf dem klösterlichen Wirtschaftshöfen sowie die Vorbereitungen zur Erhebung der Marktzölle in der Stadt Amorbach.

 

Der Archäologe Harald Rosmanitz M. A., Partenstein referierte zum Thema „Erst Burg, dann Kirche. Die archäologische Untersuchung des Gotthardsbergs“. Seit nunmehr sieben Jahren untersucht das Archäologische Spessartprojekt im Rahmen von Forschungsgrabungen eine Vielzahl von Burgen im Spessart und im Odenwald. 2010/11 stand die Erforschung des Gotthardsbergs - zwischen Amorbach und Weilbach gelegen - im Fokus der archäologischen Aktivitäten. Im Gegensatz zu anderen Anlagen war die Anhöhe bereits seit der Merowingerzeit bis zu ihrer vollständigen Niederlegung im Jahre 1525 kontinuierlich besiedelt. Die Geschichte reicht von einer Burganlage bis zur der Errichtung eines Nonnenkloster im „Schatten“ des politisch einflussreichen Klosters Amorbach. Die Entwicklung auf dem Gotthardsberg am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts bestimmte die Territorialpolitik der Herren von Dürn. Erstmals wird dabei deutlich, wie stark die hochmittelalterliche Kulturlandschaft des Mudtals von dem Dreiklang der Burg auf dem Gotthardsberg, dem Templerhaus (Amorbach) und der nahen Wildenburg bestimmt wurde.

 

Ltd. Archivdirektor i. R. Prof. Dr. Friedrich Battenberg, Darmstadt sprach über „Hessen im Rheinbund - Die napoleonischen Jahre 1806 bis 1815“. Der Vortrag vermittelte einige Gedanken zur napoleonischen Zeit im südlichen Hessen und im Odenwald. Der kurz vor Ende des Heiligen Römischen Reichs gegründete und dann dieses für wenige Jahre ablösende Rheinbund wurde in der älteren Forschung eher negativ bewertet wurde - nämlich als Instrument der Besatzungspolitik Napoleons. In der neueren Geschichtsschreibung beginnt sich eine vollkommen neue Bewertung durchzusetzen. Mit dem Rheinbund wurde nämlich der Versuch gemacht, die überlebten Strukturen des Alten Reiches durch neue, lebensfähigere zu ersetzen. Die Reform von Verwaltung und Justiz, die Bauernbefreiung, die Einführung religiöser Toleranz bis hin zur Emanzipation der Juden etwa waren Projekte, die in der Rheinbundzeit zumindest begonnen wurden. Der Vortrag zeigte auf, dass zwischen 1806 und 1814 eine wichtige Zeit der Transformation der traditionellen Adelsgesellschaft in eine sich langsam entwickelnde bürgerlich-liberale Gesellschaft war.

 

Der Kunsthistoriker Dr. Benno Lehmann, Mannheim hatte sein Thema betitelt: „Leben und Werk des Malers Heinrich Kopp (Reinheim i. Odenwald 1869 - 1922 Halle/Saale)“. Heinrich Kopp, der 1869 in Reinheim geboren wurde und 1922 in Halle starb, ist nur wenigen Kunstkennern bekannt. Eine intensive Auseinandersetzung erfuhr er jedoch erstmalig mit der Präsentation von Dr. Lehmann. Der Maler Kopp erhielt in Karlsruhe und München eine breite und fundierte Ausbildung. Er war ein Vertreter des malerischen Realismus und bevorzugte bei seinen Darstellungen unprätentiöse und anheimelnde Bildausschnitte. Sein Werk gliedert sich in verschiedene Bildgattungen, z. B. Wand- und Portraitmalerei sowie Architektur- und Landschaftsmalerei, die er jeweils in unterschiedlichen Maltechniken ausführte. Im Laufe seines Lebens besuchte er von Halle aus mehrmals seine Geburtsstadt Reinheim und schuf dort einige bewerkenswerte Werke.

 

Zum Abschluss seines Referates übergab Dr. Lehmann dem ersten Stadtrat von Reinheim, Karlheinz Flatten, als Geschenk für das dortige Museum ein Gemälde von Heinrich Kopp.

 

Dr. Lehmann (Mitte) überreicht das Gemälde „Landschaftsausschnitt Weidenhain mit Gewässer“ von H. Kopp aus dem Jahr 1907 an den ersten Stadtrat von Reinheim, Karlheinz Flatten (links), rechts W. Wackerfuß

 

Die Kurzexkursion am Nachmittag des 24. September hatte das Kloster Lorsch zum Ziel, wo unter Führung von Dr. Hermann Schefers, dem Leiter des Museumszentrums, die Teilnehmer eine Einführung in Historie des Klosters und den Bau der „Königshalle“ erhielten. Danach wurde das Obergeschoss der Halle im Detail unter seiner fachkundigen Erläuterung besichtigt. Dem schloss sich der Besuch der derzeit im Museumszentrum laufenden Ausstellung „Kloster Lorsch - Vom Reichskloster Karls des Großen zum Weltkulturerbe der Menschheit“ an.

 

Die Ganztagesfahrt am 25. September ging in den Taunus und zu zwei Orten: dem Hessenpark bei Neu-Anspach und dem Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg. Die Saalburg wurde unter sachkundiger Führung in zwei Bereichen („intra muros“ und „extra muros“) besichtigt. Der innere Bereich führte u. a. zu Mannschaftsstube, Fahnenheiligtum, Speisezimmer, während der äußere Bereich u. a. die Besichtigung von Schanzen- und Limesrekonstruktion, Kastellbad und Mithrasheiligtum beinhaltete.

 

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