Breuberg-Bund veranstaltete 61. Neustädter Tagung:

Von Römern, Chroniken, exiliertem König, verschwundenen Dörfern, einem Odenwaldmaler und bis Ladenburg/Schwetzingen spannten sich die Themen

 

Die Herbsttagung 2009 des Breuberg-Bundes vom 25. bis 27. September war wie in den Vorjahren mit Referaten, Besichtigungen und Exkursion gut besetzt. Während die beiden ersten Halbtage den Referaten gewidmet waren, folgte am Samstagnachmittag die Kurzexkursion zum Schloss Lichtenberg. Dort wurde zu Burg und Schloss durch den ersten Vorsitzenden W. Wackerfuß informiert, der auch im Museum durch die Jubiläumsausstellung Odenwaldmaler Prof. J. Lippmann, die Abteilung „Odenwälder Gäulchen“ sowie weitere Exponatbereiche führte. Die Ganztagesfahrt der Mitglieder am Sonntag ging an zwei Orte: nach Ladenburg mit seiner römischen Vergangenheit und den mittelalterlichen Bauwerken und nach Schwetzingen, wo Schloss und Park mit Badhaus und Moschee besichtigt wurden.

 

Die sechs Referate der Tagung hatten ein breites Themenspektrum:

 

Prof. Dr. E. Schallmayer sprach über „Der Odenwaldlimes - Neue Überlegungen zu Geschichte, Chronologie und Streckenverlauf sowie zu einzelnen Anlagen der römischen Grenze im Odenwald“ und stellte dar, dass seit seiner letzten Zusammenstellung der Forschungen zum Odenwaldlimes vor 25 Jahren neue Erkenntnisse vorliegen. Diese erforderten eine Überprüfung der bisherigen Aussagen zu Anfangs- und Enddatum dieser Limesstrecke, ihren Anlagen und ihrem Verlauf. Das Aussehen einiger Wachturmstellen wurde zusätzlich bekannt, Bauten am Limes sowie in seinem Umfeld konnten gedeutet sowie Strukturen von Kastelldörfern erforscht werden.

 

„Geschichte in Bildern - Wigand Gerstenberg von Frankenberg (1457 - 1522) und seine illustrierten Chroniken von Thüringen und Hessen“ lautete der Titel des Referats von Frau Prof. Dr. U. Braasch-Schwersmann. Sie führte aus, dass die heutigen Länder Thüringen und Hessen nur wenige Berichte aus dem Mittelalter besitzen, weshalb die „Landeschronik von Thüringen und Hessen“ sowie die „Stadtchronik von Frankenberg“ des Wigand Gerstenberg - beide entstanden Ende des 15. Jahrhunderts - zu den bedeutendsten Kulturgütern gehören. Beide Chroniken sind reich illustriert und liefern Einblicke in materielle Details, die vielfältigen damaligen Lebensumstände sowie auf legendenumwobene und reale Personen.

 

Burg Rheinfels, Abbildung in der Landeschronik von Thüringen und Hessen, Abb. 40, fol. 277r

Mit großer Detailfreude an einem markanten Bauwerk zeichnet der Maler die Belagerung der Burg Rheinfels im Jahre 1255/56 durch den rheinischen Städtebund. 1245 hatte Graf Diether V. von Katzenelnbogen die mächtige Anlage zum Schutz seiner Rheinzölle errichten lassen.

 

 

Über den portugiesischen Prinzen, Regenten und König (1828-1834) Dom Miguel I. sprach Prof. Dr. H. Castritius in „'Der arme König' - Dom Miguel I. von Portugal im Exil in der Mainregion“. Dessen abenteuerliches Leben in Portugal, Brasilien, Österreich, Italien und schließlich in der Mainregion (Langenselbold, Kleinheubach und Kloster Bronnbach) wurde vorgestellt und seine Beziehungen zur Mainregion dargelegt. Eine Heirat mit einer Prinzessin Löwenstein und ein Leben in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen in Kloster Bronnbach ließen ihn zum „armen König“ werden. Verstorben 1866 wurde seine sterbliche Hülle erst 1967 von seiner ersten Ruhestätte, dem Kloster Engelberg, nach Lissabon zur Grablege der portugiesischen Könige überführt.

 

„Die verschiedenen frühen Beschreibungen des 1543 entdeckten Römerbades 'am Fuße des Breubergs' - Die Chroniken von Dehner (1654) und Widman (1550)“ waren das Thema von G. Wassum. Er stellte - ausgehend von den bekannten und viel zitierten Berichten über den Fund in S. Studions Handschrift von 1597 und der Planzeichnung im Codex Papenbroeckii von 1604 - die bisher unbeachteten Chroniken von Dehner und Widman vor. Insbesondere die des Erlacher Pfarrers Georg Widman aus dem Jahr 1550 über Schwäbisch Hall beinhaltet einen zeitnahen Bericht, der jetzt als früheste Quelle für die Fundgeschichte angesehen werden muss. Widman war nämlich 1543 zur Begutachtung der römischen Relikte eingeschaltet worden. Am Schluss des Referats wurden zwei mögliche Fundstellen des heute verschollenen Römerbades dargestellt.

 

M. Hahl widmete seinen Vortrag „Ferdinandsdorf, Galmbach, Rineck - Verschwundene Dörfer im südlichen Odenwald“ der Geschichte dreier Wüstungen, entstanden in der Zeit um und nach 1800. Damals wurden aus gesellschaftlichen, naturräumlichen und klimatischen Gründen Dörfer aufgegeben, Umsiedlungen vollzogen und sogar die Auswanderung nach Amerika zum Zweck des Überlebens erwogen und durchgeführt. Der gigantische Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 hatte z. B. gewaltige Mengen Feinstaub in die Atmosphäre gebracht, sodass es 1816 zum „Jahr ohne Sommer“ auch im Odenwald kam. Daraus resultierten Ernte- und Fruchtausfälle, was sich besonders in den ärmsten Dörfern katastrophal auswirkte.

 

Eine gute Einführung für den Besuch der Jubiläumsausstellung am Samstagnachmittag im Schloss Lichtenberg lieferte das Referat „Der Odenwaldmaler und Büchnerpreisträger Prof. Johannes Lippmann (1858-1935) - Leben und Werk“ von Frau Dr. J. Reisinger-Weber. Vita und exemplarische Werke wurden vorgestellt, auch seine Vorbilder Courbet, Millet und von Menzel mit seinen Schöpfungen verglichen und verknüpft. Seine Arbeitsweise, seine Einstellung zu Natur und Leben wurden ebenso von der Referentin an vielen Beispielen verdeutlicht, die dann in der Ausstellung real zu sehen waren.